Bahnstreik 2.0 - jetzt streikt die Technik
Dienstag, 27. November 2007 - Von Darius Dunker (3065 mal gelesen)

Regionalbahn 33 fuhr Aachen zeitweise gar nicht mehr an. (Foto: AVV)
Radikaler als die GDL es den Bahnreisenden je zugemutet hat, hat heute die Technik im Aachener Schienenverkehr gestreikt. Der Aachener Verkehrsverbund meldet, zeitweilig sei es fast zu einem völligen Stillstand des Zugverkehrs gekommen. "Viele Tausend Pendler warteten vergeblich auf ihre Züge oder erreichten nur mit erheblicher Verspätung ihre Arbeitsstelle", so der AVV.

Ursache sei die Umstellung der Zugleit- und Sicherungstechnik auf ein neu eingerichtetes elektronisches Stellwerk in Aachen, das bereits in den vergangenen Tagen zu vielen Zugausfällen geführt hatte. Der AVV wirft der DB schwere Versäumnisse vor und hat heute verkündet, seine Zahlungen an die Bahn auszusetzen.

Am frühen Dienstagabend (17 Uhr) meldet die DB External link immer noch:

Im Großraum Aachen kommt es noch zu erheblichen Behinderungen des Betriebsablaufs und zu Ausfällen einzelner Züge infolge der Inbetriebnahme eines neuen Stellwerks. [...]

Leider ist auch ein Teil der Informationswege betroffen, sodass die Auskunfssysteme am Bahnsteig und im Internet den aktuellen Betriebsstand nur unzureichend darstellen. Auch die Informationen am Bahnsteig sind nur bedingt möglich.

Zur Zeit können wir noch keine Angabe zur ungefähren Dauer der Störung machen.

Die Geschäftsführung des Aachener Verkehrsverbundes hat deshalb heute gegenüber der Geschäftsführung der DB Regio NRW GmbH die sofortige Einstellung sämtlicher Zahlungen des AVV an die DB erklärt. Der Zahlungsstopp solle solange aufrecht erhalten werden, bis ein geordneter, den vertraglich vereinbarten Qualitätserfordernissen entsprechender Schienenpersonennahverkehr in der Aachener Region wieder stattfindet.

Gleichzeitig sei die DB Regio NRW GmbH aufgefordert worden, unverzüglich eine geregelte Erstattung der Fahrpreise vorzunehmen und darüber hinaus insbesondere für die Dauerkunden im Rahmen einer Kulanzregelung einen angemessenen Ausgleich für die Unannehmlichkeiten der letzten Wochen - ohne bürokratisches Beantragungsverfahren - vorzunehmen.

Der Hauptvorwurf des AVV richtet sich gegen die DB Netz AG, die es versäumt habe, bei einer derart komplexen technischen Umstellung ausreichende Vorkehrungen für den Fall des Versagens der neuen Technik getroffen zu haben.

Derzeit enden laut DB Fahrten des RE 1 in Eschweiler, der RE 33 fährt nur bis Herzogenrath, für die anderen Nahverkehrslinien sind Verspätungen angekündigt. Schienenersatzverkehr sei aber eingerichtet. Auch für den Thalys werden weiterhin Verspätungen "wegen Signalstörung" gemeldet. Der AVV hingegen meldet, "Der Bahnverkehr zum Aachener Hauptbahnhof läuft wieder, es kommt noch zum Ausfall der Euregiobahn von Stolberg Hbf nach Eschweiler-Weisweiler und Stolberg-Altstadt. [...] Da der Fehler im elektronischen Stellwerk noch nicht gefunden ist, ist bis in die Abendstunden noch mit Verspätungen zu rechnen."


(Zuletzt geändert am Dienstag, 27. November 2007.)