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„Burg Vogelsang“ in der Eifel – überlebt das Nazi-Bauwerk antifaschistische Führungen? PDF Drucken E-Mail
Samstag, 27. Januar 2007 - Von Walter Schumacher (6013 mal gelesen)

Foto
Naziburg Vogelsang heute (Foto: Darius Dunker)
Dicht bei Aachen liegt eine Nazi-Hinterlassenschaft: die „Ordensburg Vogelsang External link".

Zu deren Geschichte:

  • Erbaut von den Nazis in den 30-er Jahren. Sie wollten dort ihre „Eliten" erziehen und ausbilden.
  • Nach dem Krieg von den Engländern und Belgiern im Rahmen der Nachkriegs-Besatzung erweitert und militärisch genutzt.
  • Nach 1989 an die BRD zurückgegeben.
  • Seit 2005 öffentlich zugänglich und ohne echtes Konzept „genutzt".

Das Aachener „Bündnis gegen Rechts" hat kürzlich diesen Ort aufgesucht. In diesem Zusammenhang entstand dieser Artikel.

Die „Burg" ist keine Burg.

Sie ist nur ein Abklatsch früherer Zeiten und - von den Nazis sicher so gewollt - erzeugt Assoziationen an das Mittelalter. Was eigentlich „ehemaliges Nazi-Schulungszentrum" heißen müsste, wird allgemein „Burg" genannt und mausert sich zu einem attraktiven Ausflugsziel. Unter diesen Namen der „Burg" und in der Funktion eines Ausflugsziels wird das ehemalige Nazi-Schulungszentrum erhalten.


Was ist das Problem?

  • Die „Burg" als identitätsstiftendes Bauwerk: Nazis haben das erkannt und mobilisieren dorthin. Die „Burg" wird für sie zu einem permanenten Kristallisations- und Treffpunkt. Hier können sie die nächsten Jahre permanent um ein Symbol kämpfen und gleichzeitig austesten, wie weit ihnen Grenzen gesetzt werden.
  • Die baulichen Proportionen der Anlage sind in sich falsch; schon die Architektur drückt Nazi-Ideologie aus. So trägt bspw. bei einer zu gigantisch dimensionierte Anlage der Bau - selbst ohne jedes Schriftzeichen oder ohne Nazi-Symbole - an sich die schon faschistische Botschaft: Du bist klein - der „Orden" ist groß .
  • è Die Frage lautet: Ist die Befürchtung an diesem Bau berechtigt?


Ideologische Schutzmaßnahmen

Heute machen dort „Naturführer" mit allen Besuchern Rundführungen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Besucher verstehen, was sie dort eigentlich (an Nazi-Bauwerken) besichtigen.

Es sei unterstellt, dass momentan wirklich eine Aufklärung in/an der Anlage stattfindet. Und das mag auch so bleiben, solange unsere Gesellschaft einigermaßen aufgeklärt bleibt.

Aber was wird sein, wenn dieser „Kontrollmechanismus" wegfällt? Wird dann die in der Bausubstanz „gefrorene Ideologie" ganz schnell wieder zur Wirkung kommen?


Polizeiliche Schutzmaßnahmen

Realität ist: Nazis haben die Bedeutung der Burg für sich längst erkannt. Zu deren Abwehr wurden gesetzliche, verwaltungstechnische und polizeiliche Maßnahmen entwickelt: Die Verantwortlichen der Anlage schicken „erkennbare Nazis" heute vom Gelände. Manchmal kommt auch die (weit entfernt stationierte) Polizei zur Verstärkung.

  • Wie lange wird man die Nazis noch erkennen?
  • Und WIE erkennt man Nazis?
  • Und wann darf man „erkennbare Nazis" trotzdem nicht wegschicken, weil „erkennbarer Nazi zu sein" ja noch kein Strafbestand ist, usw. (wir kennen doch unsere Juristen).

Polizeiliche Schutzmaßnahmen benötigen einen permanenten politischen „Druck" auf den Staat, die polizeiliche Absicherung des Geländes gegen Nazis auch wirklich zu gewährleisten.

Aber wer zahlt hierfür die Kosten? Gerne zugestanden, dass das jetzt klappt - und vielleicht auch noch in acht Jahren. Aber wann kommt der Zeitpunkt wo man sagt, „dieser Aufwand ist zu groß - lass sie (die Nazis) doch"?

Resümee

  • Vielleicht ist die o.g. Argumentation irrig: dann kann alles so bleiben wie es ist.
  • Falls die Argumentation aber nicht irrig ist: dann muss das gewaltige Bauwerk ganz weg - oder aber so massiv umgebaut & genutzt werden, dass sein „baulicher Nazi-Charakter" komplett verschwindet - und damit auch die Attraktion für die Nazis. Diese Vorsorge ist heute notwendig, damit nicht später - wenn sich die Zeiten ändern sollten - mit ein paar kleinen Umbauten die alte Scheiße wieder ganz einfach reaktiviert werden kann.
Weiter dazu: Bericht nach der Besichtigung

(Zuletzt geändert am Freitag, 29. Mai 2009.)
 
 
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