| Europa - Arbeitnehmer bleiben auf der Strecke |
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Montag, 14. Mai 2007 - Von KAB-Freunde der Orga LG.Philips (2038 mal gelesen) Aus Anlaß der Feierlichkeiten zum Karlspreis haben sich die KAB-Freunde der Orga LG.Philips mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit gewandt:
ORGA LG.Philips
An
Aachen, den 14.5.07
Europa – Arbeitnehmer bleiben auf der Strecke
Erklärung der ORGA LG.Philips aus Anlass der Verleihung des Aachener Karlspreises
Am 27.1.2006 mussten wir – Beschäftigte der LG Philips in Aachen – erfahren, dass unser Betrieb mit seinen 380 Beschäftigten die Insolvenz erklärte. Während die Mutter Philips ihrer sozialen Verantwortung zum Teil gerecht wurde, weigerte sich LG, die von den Mitarbeitern vertraglich zur Sicherung des Standortes erbrachten Leistungen bis heute zu erstatten. Acht Millionen Euro für Mehrarbeit, Gehaltskürzungen, Kürzungen des Weihnachtsgeldes etc hat LG einbehalten – dies war ein Arbeitnehmerkredit bis zum 31.12.07 zur Standortsicherung. Mit der Anmeldung zur Insolvenz wurden so die Gelder der Kollegen und Kolleginnen unterschlagen. Noch heute kämpfen die ehemaligen Beschäftigten darum, dass LG seiner Verantwortung gerecht wird. Hier und heute machen wir diesen Skandal öffentlich und thematisieren wir am Beispiel von LG, die Heuschreckenmentalität global agierender Großkonzerne. Heute wissen wir, dass bereits drei Wochen vor der Schließung des Aachener Werkes in Polen Bauarbeiten für ein neues Werk begonnen haben, nachdem es LG schon 2005 gelungen war, die polnische Steuergesetzgebung (VAT) zugunsten des Konzerns zu ändern. 100 Millionen Euro flossen zudem aus Brüsseler Kassen in dieses neue Projekt. Und der polnische Staat vergab kostengünstig Land und gewährte Steuerbefreiungen, um diese Industrieansiedlung zu ermöglichen. Wie aber die Situation der polnischen Arbeiter aussieht, das beschreiben die Vorkommnisse im Werk Biskupice Podgorne. Dort gab es im Dezember und April zwei tödliche Arbeitsunfälle zu vermelden und die Beschäftigten beschreiben einen skandalösen Arbeitsschutz; die Löhne schwanken um 1000 Slotys (ca 250€) und dies bei einem zehnstündigem Arbeitstag. Des weiteren wurden den Mitarbeitern, die in Korea ausgebildet wurden, aufgenötigt, ihre Ausbildungskosten selbst zu tragen. Am 27.4. beschlossen die Arbeiter sich zu wehren: Gemäß einem Bericht der Wiadomosci, Gazeta, Polen vom 30.4. verlangten sie Schutzkleidung und Pausen während der Arbeitszeit; zudem wehrten sie sich gegen die aufgezwungene Verlängerung der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden. An diesem Tag verließen darum ca 200 von ihnen nach acht Arbeitsstunden das Werk. Daraufhin erklärte die Werksleitung die Entlassung der Beschäftigten. 130 Arbeiter aber hielten den Streik durch und unterzeichneten die Forderungen der Beschäftigten an die Geschäftsführung von LG. Wie sehr sich der Druck auf die polnischen Arbeiter erhöht hat, das zeigt ein Bericht aus dem Handelsblatt vom 30.4.07, wonach „die koreanische Gruppe LG-Philips, die in Biskupice nahe Breslau LCD-Bildschirme herstellt, den Antrag gestellt (hat), Arbeiter aus Asien beschäftigen zu dürfen“. In Aachen wird in diesen Tagen wieder die Verleihung des Karlspreises vorgenommen und Europa gefeiert. Arbeitnehmer jedoch erfahren, dass sie zu den Verlierern in Europa gehören, denn ihr Recht auf Arbeit und menschenwürdiges Leben und Einkommen steht nicht auf der tagespolitischen Agenda der Europapolitik. Wir sehen, dass es keinen Grund gibt, dieses Europa zu feiern, solange Europa nicht den Arbeitnehmern dient! In einem Schreiben haben wir den Kollegen in Polen unsere Solidarität zum Ausdruck gebracht und ihnen zugesagt, ihre Situation und die Praxis von LG öffentlich zu machen. Wir fühlen uns zudem bestärkt, unsere Kampagne zum Boykott von LG-Produkten fortzusetzen und zu intensivieren.
Andreas Gruszka, KAB-Freunde LG.Philips (Zuletzt geändert am Montag, 14. Mai 2007.) |
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