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Spa verabschiedet sich von der autogerechten Stadt PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 24. April 2007 - Von Darius Dunker (2923 mal gelesen)
Das Auto ist ein Ausdruck unerhörter Willkür des einzelnen Menschen. Ein einzelner Mensch wagt es, auf solche Weise die Straße, und nicht nur die Straße, für sich in Anspruch zu nehmen, die Ruhe, die Freiheit, das Leben seiner Mitmenschen zu bedrohen. Wahrhaftig, wenn wir nicht durch die Mächte der modernen Welt schon so tief versklavt und entmenscht wären, wenn es unter uns noch eine Demokratie als Lebensstil gäbe, so hätte sich schon längst ein empörter Wille erhoben und hätte solchem übermütigen Frevel ein Ende gemacht. (Leonhard Ragaz, Vom modernen Götzendienst)

Foto
Spa (Foto: Jean-Pol Grandmont / Wikimedia Commons)
Was der Pazifist Ragaz 1927 anlässlich der Abstimmung über eine Straßenverkehrsordnung in der Schweiz schreibt, klingt heute, wo zahlreiche AutofahrerInnen mit brutalen Geländewagen durch enge Innenstädte drängen, aktueller denn je.

Ziemlich genau 80 Jahre später wurde jetzt das aus der Schweiz importierte Instrument der Volksabstimmung genutzt, um auch in der Mineralwasserstadt Spa (zwischen Verviers und Malmedy) die von Ragaz kritisierte "Herrschaft des Autos über die Straße" wenn nicht zu beenden, so doch ein gutes Stück zurückzudrängen.

Der niederländische Verkehrsplaner Hans Monderman entwickelte ein Konzept External link, bei dem Verkehrsberuhigung nicht durch immer rigidere Regelungsmaßnahmen geschaffen wird, sondern bei dem umgekehrt auf die allermeisten Regelungen verzichtet wird. Fußgänger werden eben nicht auf klar definierte Bürgersteige verwiesen, es gibt keine schnelle Vorfahrt dank Ampeln, Vorfahrtschildern oder Rechts-vor-Links-Regeln. Im friesischen Drachten wurde dieses Konzept vor Jahren bereits umgesetzt, und die Erfahrungen sind so gut, dass das Konzept nun nach und nach in weiteren Kleinstädten erprobt wird.

Am Sonntag haben sich nun die Einwohner im rund 50 Kilometer von Aachen entfernten Spa dafür ausgesprochen, in ihrer Stadt ebenfalls diesen Schritt zu wagen. Ihr Konzept sieht laut Meldung des BRF External link zudem vor, Spa als Quellen- und Bäderstadt deutlicher hervorzuheben.

Nicht ihr seid die Verrückten, ihr, die ihr das Heiligtum des Menschen und der Natur für wichtiger haltet als den Glanz einer technischen Erfindung und die ihr nicht begreift, daß es eine Ehre sein soll, für den technischen Fortschritt von der Straße vertrieben, in der Nachtruhe gehindert, in der Freude an Gottes Welt verstört, vielleicht eines Tages überfahren zu werden oder (was noch schlimmer wäre) ein Kind überfahren zu sehen. Die anderen sind die Verrückten, die von einem Dämonen Besessenen. Es wird ein Tag kommen, wo ihr Recht erhalten werden; möchte es für Mensch und Natur nicht zu spät sein. (Leonhard Ragaz, Vom modernen Götzendienst)

Ausgerechnet in Spa, der Ardenner Kleinstadt unweit von Michael Schumachers Lieblingsrennpiste, ist man diesem Tag wieder einen großen Schritt näher gekommen.


(Zuletzt geändert am Donnerstag, 26. April 2007.)
 
 
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