| „Colony Collapse Disorder” - Biene Maja kommt nicht wieder |
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Freitag, 16. März 2007 - Von Darius Dunker (5300 mal gelesen) Es ist, als holte die Wirklichkeit den Trickfilm ein:
Im vergangenen November berichtete erstmals ein Bienenhalter aus Pennsylvania, der seine Bienen in Florida überwintern ließ, von einem merkwürdigen Verschwinden seiner Bienen. Bald darauf wurden ähnliche Fälle aus vielen Bundesstaaten der USA bekannt. Stets sind ganze Bienenvölker plötzlich weg. Die Nester lassen oft erkennen, dass noch vor kurzem Brutpflege betrieben wurde, Honig- und Nektarvorräte sind vorhanden, mitunter auch noch die Königin und einige wenige Bienen, aber alle anderen erwachsenen Bienen sind spurlos verschwunden. Der Bienenstaat ist damit zusammengebrochen, was dieser bislang unbekannten Form des Bienensterbens die Bezeichnung „Colony Collapse Disorder“ (CCD) einbrachte. Auffällig ist zudem, dass die anschließende Invasion durch Wachsmotten und Käfer bei CCD erst deutlich später erfolgt als in anderen Fällen niedergehender Bienennester.
Inzwischen ist die
Mehrzahl der amerikanischen Bundesstaaten von CCD betroffen (vgl.
Karte Die große Bedeutung kommt den Bienen für den Menschen nicht primär durch die Honigproduktion zu. Christian Conrad Sprengel formulierte 1811 etwas militaristisch:
Viele landwirtschaftliche Nutzpflanzen können nur durch Bienen in ausreichendem Maß bestäubt werden. Das schweizerische Zentrum für Bienenforschung nennt in einer Broschüre
an erster Stelle Äpfel, Birnen, Kirschen, Mandeln, Erdbeeren,
Johannisbeeren, Rotklee, Luzerne, Melonen, Gurken und Kürbisse
als Pflanzen, für die Bienenbestäubung besonders wichtig
ist. Aber auch bei vielen anderen Pflanzen ist die Bestäubung
erfolgreicher, wenn viele Bienen dabei geholfen haben.
Bienensterben, das scheint bei genauerer Betrachtung dennoch fast ein Dauerphänomen zu sein. Seit 1977 kämpfen Bienen und ihre Imker gegen die aus Asien eingeschleppte Milbe „Varroa destructor“, die auch für das starke Bienensterben in Mitteleuropa nach dem kalten Winter 2005/06 verantwortlich gemacht wurde. Seit den 1990er Jahren wurde von französischen Wissenschaftlern verstärktes Bienensterben auch auf den Einsatz des Pestizids Imidacloprid von Bayer zurückgeführt. Das unter den Markennamen „Gaucho“ und „Chinook“ als Pflanzenschutzmittel vertriebene Gift ist inzwischen in Frankreich nicht mehr für die Verwendung bei Sonnenblumen zugelassen. In vielen Ländern wird es aber weiterhin eingesetzt, in Deutschland beispielsweise zur Behandlung des Saatguts von Raps, weshalb NABU und Berufsimkerbund vor einem „Bienensterben durch Biodiesel“ warnen. Was die Ursache der CCD ist, ist hingegen noch völlig unklar. Die CCD Working Group hält für weniger wahrscheinlich, dass es an der Art der Fütterung oder dem Einsatz von Chemikalien durch die Bienenhalter, der Nutzung der Bienen oder dem Bezug der Königinnen liegt. Diese Faktoren seien von den betroffenen Bienenhaltern unterschiedlich gehandhabt worden und es sei kein Zusammenhang zu erkennen. Die amerikanischen Experten wollen nun vorrangig Rückstände von Chemikalien, sonstige bekannte und unbekannte Gifte, den Parasitenbefall, Nahrungsversorgung und Stressbelastung der erwachsenen Bienen sowie möglichen Mangel an genetischer Vielfalt untersuchen. Dass Sendemasten etwas damit zu tun haben könnten, scheint unwahrscheinlich, denn CCD trat auch in Gegenden auf, in denen weit und breit keine Sendemasten stehen. Die CCD Working Group hält auch einen Zusammenhang mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen für nicht so wahrscheinlich. Dort käme besonders das Insektizid des Bacillus thuringiensis (Bt) in Verdacht, das auch von genetisch verändertem Mais u.ä. produziert wird. Dieses wirkt aber angeblich vor allem auf die Larven von Insekten, bei CCD ist jedoch gerade das Verschwinden der adulten Bienen kennzeichnend. Auch würden die Bt-manipulierten Pflanzen, vor allem Mais und Tabak, eher nicht so stark von Bienen aufgesucht. Andererseits wird oftmals auf Mais basierende Nahrung an Bienen verfüttert. Laut CCD Working Group ist jedoch auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Fütterung und CCD zu erkennen. Gentechnisch veränderte Pflanzen hätten bei der Suche nach den Ursachen von CCD deshalb nicht die höchste Priorität. Ausdrücklich erklärt die CCD Working Group jedoch, dass dies nicht heißt, dass Bt-Mais sicher ausgeschlossen werden kann.
Greenpeace protestiert
seit langem gegen die erfolgte
Zulassung des Bt-Mais „MON863 „Ratten, die den Mais MON863 in Fütterungsversuchen zu fressen bekamen, reagierten darauf mit Veränderungen an Niere und Leber“, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der seine Ergebnisse am Dienstag in Berlin zusammen mit Greenpeace vorstellte. […] Lebens- und Futtermittel, die MON863 enthalten, dürfen seit dem 1. Januar 2006 in die Europäische Union importiert werden. In den USA und Kanada wird die Sorte nach Angaben des Herstellers Monsanto auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Die Pflanzen produzieren aufgrund einer Veränderung im Erbgut ein Eiweiß, das gegen einen Schädling, den Wurzelbohrer, wirkt. [3 Laut Greenpeace wurde bei der Zulassung manipuliert: „Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde“, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. „Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.“ Ob ein Zusammenhang zwischen Genmais und Bienensterben besteht, ist, wie gesagt, noch nicht wirklich untersucht. Ergänzung(17.3.2007)
Zu einer Anhörung am 25.10.2006 vor dem Agrarausschuss des Deutschen Bundestags hatte der Berufsimkerbund eine Stellungnahme
Bei einem in der Stellungnahme geschilderten Versuch mit Bienen und Bt-Mais waren - ungeplant - die Bienen stark von bestimmten Parasiten (Mikrosporidien) befallen worden. Bei denjenigen Bienen, die in dem Versuch Pollen von Bt-Mais bekommen hatten, ging daraufhin die Brutaufzucht signifikant stärker zurück als bei der Kontrollgruppe ohne Bt-Mais.
In der Stellungnahme wird auch - als würden die aktuellen Beobachtungen in den USA vorhergesehen - erklärt, warum die Folgen von Bt-Toxin gerade bei den erwachsenen Bienen zu beobachten sein werden:
Etwa drei Wochen nach Vorlage dieser Stellungnahme im Bundestagsausschuss wurde dann der erste CCD-Fall in den USA gemeldet. Die Stellungnahme geht noch von zurückhaltenderen Annahmen aus:
Und schließlich wird noch vor dem zu erwartenden kombinierten Einsatz von Bt-Mais und Imidacloprid gewarnt:
(Vielen Dank an den anonymen Hinweisgeber.) Anmerkung:
MON810
Für 2007 wurden in Deutschland erheblich mehr Anbauflächen
In Aachen wurde der Anbau von MON810-Mais in den Jahren 2005 und 2006 auf 2500 m² in Laurensberg angemeldet. Für 2007 liegt laut Standortregister Ergänzung v. 14.4.: Inzwischen ist in NRW außer den 25m² in Köln auch eine Fläche von 1000m² in Borken für den Anbau von MON810 gemeldet. (Zuletzt geändert am Dienstag, 17. März 2009.) |
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