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Älteste Tageszeitung der Bundesrepublik vor dem Ende? PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 8. Januar 2009 - Von Darius Dunker (2660 mal gelesen)
Es wird ernst im Zeitungsverlag Aachen. Seit Oktober External link wird laut Branchenberichten nach einem Käufer für den Verlag (Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung, Supersonntag, Supermittwoch) gesucht. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es längst ausgemachte Sache sein, dass die Rheinische Post den Rest des Verlags übernimmt. Die Düsseldorfer besitzen bereits knapp ein Viertel des Zeitungsverlags Aachen und ein Vorkaufsrecht für den Rest. Die Übernahme - wenn sie denn kartellamtlich zugelassen werden sollte - würde dem Bild entsprechen, dass sich die großen Verlage die Zeitungslandschaft in Nordrhein-Westfalen gebietsweise aufteilen. Das derzeitige RP-Gebiet External link reicht bis Erkelenz und damit in das Gebiet des Zeitungsverlags Aachen External link. Dieser Tage erklärte nun die Stadt Aachen External link ihre "Sorge um die Meinungsvielfalt in Aachen" - ein Hinweis, dass bei einem Verkauf des Verlages die Einstellung einer der beiden Lokalzeitungen droht?

Offenbar befürchtet man, dass nun - ähnlich wie im Ruhrgebiet External link - die Medienlandschaft mit dem eisernen Besen aufgeräumt werden soll. Skeptiker hatten schon 1996 bei der aufwändigen Modernisierung der Aachener Volkszeitung zur Aachener Zeitung befürchtet, nun ginge es bald den Aachener Nachrichten an den Kragen.

Seit 1975 kooperierten die Herausgebergemeinschaften beider Tageszeitungen und legten ihren Anzeigenteil zusammen, behielten aber eigenständige Redaktionen. Das einst als Ausweg aus der Krise für Zeitungen in mittelgroßen Städten gepriesene "Aachener Modell" wurde ab 2002 mit der Zusammenlegung von Aachener Verlagsgesellschaft und Aachener Nachrichten Verlagsgesellschaft zum Zeitungsverlag Aachen praktisch aufgegeben, ab 2003 wurden die Redaktionen teilweise zusammengelegt External link. Die lokale Berichterstattung erfolgt aber bisher weiterhin in zwei konkurrierenden Ausgaben.

Als nächster Schritt kommt in diesem Jahr die Zusammenlegung der Redaktionen für Alsdorf sowie der Redaktionen für die Teile "Euregio" und "Rhein-Maas". Arbeitsplätze sollen durch Vorruhestandsregelungen abgebaut werden. Sollte der Zeitungsverlag demnächst in anderen Besitz übergehen, so ist zu befürchten, dass einer der beiden Zeitungstitel endgültig eingestellt wird. Der Schritt würde in die aktuelle Politik anderer Verlagshäuser in NRW passen.

Der Verlust hätte auch symbolischen Charakter: Die Aachener Nachrichten waren die erste Zeitung nach der Nazizeit, sie konnten nach der Befreiung Aachens bereits ab 1944 mit Lizenz Nr. 1 der Alliierten erscheinen. Viel gravierender wären die Folgen für die Meinungsvielfalt - und die Arbeitsplätze. Den bisherigen ZeitungsmacherInnen ist hoch anzurechnen, dass trotz der immer engeren Zusammenführung tatsächlich bis heute zwei unterschiedliche Zeitungen mit unterschiedlicher Berichterstattung existieren. Nun schreibt das journalistische Weblog medienmoral-nrw.de External link:

Es ist zu befürchten, dass die beiden unabhängigen Tageszeitungen - und damit die eh schon reduzierte publizistische Vielfalt in Aachen - nicht mehr lange Bestand haben werden, und das in einem Verbreitungsgebiet, in dem es keine Konkurrenz gibt und der Zeitungsverlag Aachen das Monopol hat.

Zudem seien die Verträge zwischen Druckerei und Zeitungsverlag gekündigt. Welche Auswirkungen dies habe, sei noch nicht klar.

Nachtrag:

Die oben erwähnte Erklärung im Namen der Stadt (aber ohne Angabe, wer sie herausgegeben hatte) wurde inzwischen entfernt. In dem Text hatte es geheißen:

Stadt blickt mit Sorge auf die Zukunft der Aachener Medienlandschaft

Diverse Medien berichteten, dass der Aachener Zeitungsverlag auf der Suche nach einem „strategischen Partner" oder - anders ausgedrückt - nach einem Käufer ist. Verkauft werden soll der Anteil, der zurzeit in der Hand der Aachener Verlagsgesellschaft ist. Nach Aussage der Anteilseigner geht es dabei um die Sicherung der Zukunft des Zeitungsverlages, in dem u.a. die beiden Tageszeitungen „Aachener Nachrichten" und „Aachener Zeitung" erscheinen.

Der Betriebsrat des Zeitungsverlages befürchtet, dass ein Verkauf über die bereits in den vergangenen Jahren erfolgten und für das Jahr 2009 beschlossenen Zusammenlegungen diverser Redaktionen zu weiteren Einschnitten bis hin zur Einstellung einer der beiden Tageszeitungen führen wird. Er sieht deshalb nicht nur zahlreiche journalistische Arbeitsplätze, sondern auch solche im kaufmännischen und technischen Bereich in Gefahr.

Berichtet wird auch über Auswirkungen der neuesten Entwicklungen auf die Druckerei der beiden Tageszeitungen. Es heißt, dass bestehende Verträge zwischen dem Zeitungsverlag und der Druckerei bereits gekündigt wurden.

Auch die Stadt Aachen betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. Sollte tatsächlich eine der beiden Tageszeitungen eingestellt werden, dann wäre dies ein herber Schlag für die Meinungsvielfalt in Aachen, außerdem würden viele Arbeitsplätze verloren gehen. Die Stadt Aachen appelliert deshalb an das soziale und gesellschaftspolitische Verantwortungsbewusstsein der Entscheidungsträger und fordert diese auf, alles Erdenkliche zum Erhalt der Meinungsvielfalt und der Arbeitsplätze zu tun.

Die Gründe für die Rückzug des Textes sind z-ac nicht bekannt.


(Zuletzt geändert am Dienstag, 13. Januar 2009.)
 
 
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