| Karlspreis 2009 für Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio |
|
|
|
|
Samstag, 6. Dezember 2008 - Von Darius Dunker (1572 mal gelesen) Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, wird im kommenden Jahr den Internationalen Karlspreis erhalten. Die katholische Organisation ist besonders wegen ihrer Bemühungen um Vermittlung in religiösen und ethnischen Konflikten bekannt. 2003 hatte sie ein großes interreligiöses Friedenstreffen in Aachen organisiert, für das man sich offenbar nun mit dem Karlspreis bedankt. Manche Kritiker werfen der Gemeinschaft allerdings sektenähnliche Strukturen vor.
Zunächst scheint die Auszeichnung
einer Organisation, die die Friedenstaube in ihrem Logo führt, in
krassem Widerspruch zu stehen zu bisherigen Preisträgern wie dem
ehemaligen NATO-Generalsekretär Javier Solana (2007), der den
völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien befehligt hatte. So heißt es im Friedensappell
Die Auszeichnung von Sant'Egidio ist aber gewiss nicht als Einsicht in frühere Fehlentscheidungen zu verstehen. Verständlicher wird die Entscheidung in Verbindung mit der Auszeichnung Merkels im Jahr 2008. Merkel wurde vor allem für den Trick geehrt, den gescheiterten EU-Verfassungsentwurf nahezu unverändert unter dem neuen Namen Reformvertrag (inzwischen: Lissabonvertrag) wiederbelebt zu haben. Mit Andrea Riccardi will das Kuratorium nun jemanden auszeichnen, der sich um die „geistig-kulturellen Wurzeln des Vereinten Europas" bemüht habe. So heißt es in der Begründung des Kuratoriums, „Wenn Andrea Riccardi seine und seiner Mitstreiter Leitideen beschreibt, dann ist dies stets auch Ermutigung und Aufruf an die Europäer, sich kraft ihrer kulturellen und geistigen Traditionen aktiv an der Gestaltung einer friedlicheren und gerechteren Welt zu beteiligen." Hier darf „geistig" für das Kuratorium gewiss auch als „geistlich" gelesen werden, weil mit Sant'Egidio eben keine religiös neutrale Friedensorganisation ausgezeichnet wird. Die Auszeichnung steht damit im Kontext der Frage, ob die EU-Verfassung religiös verankert werden solle, und ist ein Votum gegen deren weltanschauliche Neutralität. Explizit stellte heute Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden die Auszeichnung in den Kontext des Verfassungsprozesses und betonte, dass „das politische Europa in den vergangenen Monaten seine Stärke in der Finanzkrise gezeigt" habe, „das große Ziel, den Grundlagenvertag", habe man jedoch nicht erreicht. Deshalb habe sich das Karlspreisdirektorium bewusst für einen Preisträger entschieden, der „das Europa der gesellschaftlichen Werte" lebe und diese über Europa hinaus trage. Der Geist des „am europäischen Wesen soll die Welt genesen" spricht fast wörtlich aus Lindens Mund: Wichtig sei auch, dass Riccardi „die europäischen Werte in die Welt trägt", wird der Oberbürgermeister auf den Webseiten der Stadt Aachen zitiert. Ob diese Zweifel an der Motivation der Auszeichnenden indes auch die Ausgezeichneten trifft, ist fraglich. Die Gemeinschaft hat sich beispielsweise gewiss auch Verdienste erworben, als sie im Jahr 2000 den Forderungen des Erzbischofs von Bologna deutlich widersprach, die italienische Einwanderungspolitik danach auszurichten, ob „die Zuwanderung von Menschen anderer Kulturen und Religionen mit der Identität Italiens vereinbar" sei.
Kritik gibt es vor allem an den
internen Stukturen von Sant'Egidio. Diese seien sektenähnlich, wird vereinzelt behauptet, Andrea Riccardi übe dabei autoritären Einfluss aus. Ein Aussteiger
Über die
Mitgliederzahlen gibt es widersprüchliche Angaben, da Sant'Egidio
offenbar auch die in ihren Einrichtungen betreuten Personen teilweise
mitzählt. So soll in einem Bericht des evangelischen (inzwischen eingestellten) Deutschen
Allgemeinen Sonntagsblattes aus dem Jahr 2000 laut Wikipedia
Finanziert wird die Organisation unter
anderem auch vom deutschen Außenministerium, das nach einem Bericht
von Radio Vatikan (Zuletzt geändert am Montag, 8. Dezember 2008.) |
Ähnliche Themen:
- 09. 04. 2009 - Der Demo-Marathon geht weiter
- 19. 08. 2008 - Karlspreis jetzt auch in Köln
- 08. 05. 2008 - Mit dem Karlspreis zurück ins Mittelalter
- 06. 05. 2008 - Offener Brief zum Polizeieinsatz bei der Karlspreisverleihung 2008
- 02. 05. 2008 - Über 1500 Menschen aus aller Welt protestieren gegen Merkel und Sarkozy
- 02. 05. 2008 - Videos vom Euromayday Aachen
- 29. 04. 2008 - Umweltverbände lehnen Karlspreis für Merkel ab
- 27. 04. 2008 - Jusos wollen "die EuroMayDay ignorieren"
- 28. 03. 2008 - Programm für und gegen den Karlspreis vorgestellt
- 16. 01. 2008 - Bündnis ruft zu Protesten gegen Karlspreisverleihung auf





