| Der Rassisten neueste Fratze |
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Freitag, 19. September 2008 - Von Alban Werner (1948 mal gelesen)
Die Veranstalter begrüßten auf dem Podium der durchweg auf hohem Niveau verlaufenden Veranstaltung den Politikwissenschaftler Richard Gebhardt, Autor von "Rosen auf den Weg gestreut Auf dem Podium und im Publikum ließ kein Teilnehmer einen Zweifel daran, dass pro NRW bekämpft werden müsse, nicht weniger als martialischer auftretende Neonazis von NPD, Kameradschaften & Co. Richard Gebhardt wies denn auch in seinem Eröffnungsbeitrag darauf hin, die Bezeichnung von „pro Köln“ oder „pro NRW“ als „rechtspopulistisch“ sei völlig verfehlt. Genau ein solches Image der „volksnahen“ Politiker versuchten die Kölner Rechtsradikalen für sich zu etablieren. Wer dem, wie die Springer-Zeitung „Die Welt“ folge, bestätige nur die irreführende Selbst-Etikettierung dieser Gruppe und verharmlose sie.
Die sog. Pro-Bewegung appelliere deutlich an ein völkisches
„Wir“, arbeite mit ähnliche Themen im Bereich der inneren
Sicherheit wie einst die Schill-Partei und bewege sich mit ihrem
Aktionen im vermeintlich „vorpolitischen Raum“. So gesehen
unterscheide sich ihre Vorgehensweise auch nicht fundamental von
anderen rassistischen Parteien; die Abgrenzung von diesen und anderen
Ausfällen wie Holocaust-Leugnern sei einfach als taktisches
Manöver zu durchschauen. Das Ziel der Bewegung sei der Aufbau
einer Parteistruktur. Özlem Demirel betonte die internationalen politischen Verhältnisse nach 9/11 als Erfolgsbedingung von „pro NRW“. Es sei von Seiten westlicher Mächte faktisch ein „Kampf der Kulturen“ ausgerufen worden mit dem Feindbild Islam, und daran könnten Akteure der extremen Rechten wie „pro NRW“ anknüpfen. Ein weiterer Faktor seien die sozialen Verhältnisse: Arbeitslosigkeit, Prekarisierung von Arbeit, Armut und Perspektivlosigkeit vieler Menschen bildeten einen guten Nährboden. Die dritte nicht unwesentliche Erfolgsbedingung sei durch das Klima der innerdeutschen Debatte um Kopftücher, Ehrenmorde und Moscheebau geschaffen worden. Die Presse sei „pro Köln“ anfangs mit Ahnungslosigkeit begegnet.
Demirel betonte
ausdrücklich, dass die Rechtsradikalen durchaus reale
Probleme ansprechen würden, allerdings in einer Art und Weise,
die nur die Symptome und nicht die Ursachen thematisiert und zudem
nach Sündenböcken sucht. Sie stellte eine Zunahme von
Ausländerfeindlichkeit und Rassismus fest, auf der anderen Seite
auch ein Anwachsen des türkischen Nationalismus, der ebenfalls
bekämpft gehöre. In der Diskussion betonte die Ratsherrin,
man dürfe den Rechtsradikalen nicht mit Ignoranz begegnen, wie
dies die bürgerliche Presse getan habe, sondern müsse
politisch „pro NRW“ bekämpfen, sonst könnte sich die
Gruppe weiterhin als einzige Kraft gegen die „Korruption“ und
„die Etablierten“ verkaufen. Der unmittelbar bevorstehende Rassisten-Kongress auf Einladung von „pro NRW“ stand im Mittelpunkt des Beitrages von Nicolai Schneider. Der Kongress sei von der extremen Rechten konspirativ organisiert worden. Dagegen Stellung beziehen werden vor allem die zwei Bündnisse „Wir stellen uns quer“, dessen Gravitationszentrum der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bildet, und „Aufgestanden! Hingesetzt! Blockiert!“, dem sich die DGB-Jugend, und damit auch die Jugendorganisation der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) angeschlossen habe. Schneider rief alle Anwesenden auf, sich am Samstag, 20. September den Protesten anzuschließen und durch eine Blockade die Veranstaltung von „pro NRW“ scheitern zu lassen. Es würden viele Menschen gebracht, denn „das Konzept beruht auf Masse!“. Die Gewerkschaft engagiere sich an vorderster Front gegen Rassismus und die extreme Rechte; es gebe schon im DGB Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen rassistische Organisationen. Eine solche „Politik der Stigmatisierung“, so der Politologe Gebhardt, sei nach wie vor eines der wirksamsten Mittel, um die Normalisierung rassistischen und faschistischen Gedankengutes in der Bundesrepublik nachhaltig zu verhindern. (Zuletzt geändert am Montag, 22. September 2008.) |
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