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Pflüger warnt vor Militarisierung durch Georgien-Konflikt PDF Drucken E-Mail
Freitag, 29. August 2008 - Von z-ac (1612 mal gelesen)
Zum am Montag 1. September stattfindenden EU-Sondergipfel und der am gleichen Abend im Europäischen Parlament erfolgenden Debatte warnt der linke Europaparlamentarier Tobias Pflüger vor einer weiteren Eskalation in Richtung eines Kalten Krieges. Beide Seiten hätten das Völkerrecht verletzt - wenn nun die EU einseitig Partei ergreife, untergrabe dies jegliche Glaubwürdigkeit ihres Vermittlungsversuches. Deshalb seien auch einseitige Sanktionen der EU gegen Russland kontraproduktiv. Zudem habe die EU ohnehin eine Mitverantwortung für den Konflikt.

"Klar zu verurteilen ist der Angriff Georgiens am 7./8. August auf Südossetien, insbesondere auf die Stadt Zchinvali - mit vielen Toten auch unter der Zivilbevölkerung - der von Präsident Mikheil Saakashvili befohlen wurde. Damit begann eine verhängnisvolle Spirale der Eskalation, das muss klar benannt werden", so Pflüger. Ebenso klar zu verurteilen sei auch die Form der militärischen Reaktion Russlands insbesondere auf die Stadt Gori - mit ebenfalls vielen Toten unter der Zivilbevölkerung. "Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und der Einsatz von Streubomben durch beide Kriegsseiten sind völlig inakzeptabel. Das humanitäre Völkerrecht / Kriegsvölkerrecht wurde von beiden Kriegsseiten klar verletzt."

Nun allerdings allein Russland für die jetzige Situation verantwortlich zu machen, wie es offensichtlich die Stimmung gerade sei und durch die Mehrheit im Auswärtigen Ausschuss des Europäischen Parlamentes geschehe, sei nichts anderes als einseitige Parteinahme im Georgienkrieg und das Einläuten eines neuen Kalten Krieges.

Die nun erfolgte staatliche Anerkennung Süd-Ossetiens und Abchasiens durch Russland sei falsch. "Sie folgt allerdings der falschen Logik der Anerkennung des Kosovo durch westliche Staaten, darunter auch einer ganzen Reihe von EU-Staaten (nicht aller!), wie Deutschland. Mit der völkerrechtswidrigen Anerkennung des Kosovo wurde eine Büchse der Pandora geöffnet, die nun ihre falsche Folgepolitik findet."

Der Westen - die NATO und die EU - seien in die Eskalation des Konflikts und Krieges in Georgien stark involviert, so der linke Europaabgeordnete. "Die USA haben georgische Truppen zum Kriegführen aus dem Irak nach Georgien gebracht. Eine ganze Reihe von NATO- und EU-Staaten aber auch Israel haben Georgien mit modernen Waffen hochgerüstet. Es sind auch deutsche Waffen und Waffenträger bei der georgischen Kriegsseite aufgetaucht." Der Militäraufmarsch von NATO-Marinetruppen im Schwarzmeer sehe sehr nach weiterer Eskalation aus. Auch müsse benannt werden, dass dieser Konflikt sehr viel mit geopolitischen Interessen zu tun habe, wie beispielsweise geplanten Ölpipelines.

"Es muss jetzt alles verhindert werden, was in Richtung einer weiteren Eskalation der Situation geht. Ich fordere vom EU-Sondergipfel am Montag und vom Europäischen Parlament am Mittwoch ausgewogene Stellungnahmen", so Pflüger, der Koordinator für die Linksfraktion (GUE/NGL) im Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung.

"Völlig kontraproduktiv und eskalierend wären jetzt Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland, wie sie der französische Außenminister Bernard Kouchner angedeutet hat, oder EU-Militärmissionen im Kaukasus. Der Konflikt darf nicht missbraucht werden, um eine weitere Militarisierung der Europäischen Union voranzutreiben, wie sie z.B. in jetzt laut gewordenen Forderungen nach einer Stärkung der ESVP deutlich werden. Eine Position der EU, 'die härter ist als die der NATO', wie z.B. vom Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschuss Jacek Saryusz-Wolski (EVP) des Europäischen Parlamentes gefordert, ist gefährlicher Unsinn. Die Europäische Union macht sich als ziviler Vermittler - wie beim 6-Punkte Waffenstillstand - dann völlig unglaubwürdig, sollte sie immer weiter einseitige Parteinahme betreiben. Es ist dringend geboten, dass alle Seiten auf den Boden des Völkerrechts zurückkehren, ein neuer Kalter Krieg darf nicht sein! Erinnern wir uns: Der 1. September wird als Antikriegstag begangen!", so der Europaabgeordnete der Linksfraktion (GUE/NGL) Tobias Pflüger (DIE LINKE) abschließend.

Quelle: Pressemitteilung Tobias Pflüger, MdEP


(Zuletzt geändert am Freitag, 29. August 2008.)
 
 
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