| Gehörlose fordern 100% Untertitel |
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Mittwoch, 27. August 2008 - Von Walter Schumacher (3891 mal gelesen) Am vergangenen Samstag gingen über 3.000 Menschen für die Forderungen der Gehörlosen nach „Untertiteln in allen TV-Sendungen“ in Köln auf die Straße. Die meisten TeilnehmerInnen waren Gehörlose, und es war ein beeindruckender Zug von vielen gutgelaunten und engagierten Menschen, die von der Kölner Messe über die Rheinbrücke bis zur Abschlusskundgebung am Dom zogen. Das Teilnehmerspektrum reichte von Familien mit Kleinkindern, über viel Jugend bis zu Grüppchen von älteren Gehörlosen, die offenbar gemeinsam zu dieser Demo angereist waren. Wo „normale“ Demos durch Sprachdurchsagen aus den Lautsprechern bemerkbar sind oder die Demonstranten selber Parolen skandieren, waren hier Menschen unterwegs, die nur über Gebärdensprache miteinander kommunizierten, die für die meisten „Hörenden“ nicht verständlich ist. Für Hörende ist „Kommunizieren“ fast identisch mit „Hören können“. Die Gehörlosen beweisen aber: man kann auch mittels „Gebärden sprechen“ und mit den „Augen hören“. Es war beeindruckend, als hörender Berichterstatter in dieser Parallel-Welt mitzulaufen und zu sehen, wie gut es auch ohne die akustische Kommunikation geht. So entstand eine umgekehrte Situation: Gehörlose leben normalerweise in einer Welt, in der über akustische Sprache kommuniziert wird und sie dadurch ausgeschlossen sind. Auf dieser Demo waren die Hörenden in der Minderzahl, und wer die Gebärdensprache nicht verstand, sah zwar, wie die vielen Menschen zufrieden und angeregt miteinander kommunizierten, wusste aber als Hörender nicht, um was es ging - ein eigenartiges Gefühl. Auf den Lautsprecher-Wagen (Wortwahl des hörenden Berichterstatters) standen Gebärdensprachen-Dolmetscher, die für die gehörlosen Demo-TeilnehmerInnen die Infos weitergaben. Parallel wurde das Gleiche für die Hörenden in eine Sprachdurchsage übersetzt. Hätte es nicht ab und zu diese akustischen Übersetzungen der Gebärdensprachen-Dolmetscher gegeben, hätten die (hörenden) Passanten und Zuschauer am Rande der Demo wohl kaum verstanden, um was es inhaltlich ging:
Die Demo endete mit einer Kundgebung vor dem Dom. Hier gab es Beiträge sowohl von Hörenden als auch Gehörlosen. Man war sich einig in der Forderung nach 100% Untertiteln im Fernsehen und entsprechende Kampagnen zur Verankerung dieser Forderung im Rundfunkstaatsvertrag werden fortgeführt. Als Vertreterin der Stadt versprach Sozialdezernentin Marlis Bredehorst, sich bei den ortsansässigen Fernsehstationen entsprechend einzusetzen. Ein heftiger Platzregen erzwang eine kurzzeitige Unterbrechung, in der fast alle unter die Vordächer des Römisch-Germanischen Museums flüchteten. Kurz darauf schien dann wieder die Sonne und es wurde doch noch eine wunderschöne strahlende Schlusskundgebung vor dem Dom. Fotos: Walter Schumacher für z-ac (Zuletzt geändert am Sonntag, 31. August 2008.) |



