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Frohe Botschaften zum neuen Jahr PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 2. Januar 2008 - Von Horst Schnitzler (2656 mal gelesen)

Ein Kommentar zu den Verlautbarungen "unserer" Interessenvertreter

Gerade hat das neue Jahr begonnen und schon erreichen uns mittels der Medien die Rufe "unserer" Interessenvertreter aus Politik und Kirche. Und so setzt sich der Ruch der Doppelzüngigkeit öffentlicher Amts- und Würdenträger auch 2008 konsequent fort.

Da ruft der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, nach einer "sozial ausbalancierten" Politik. Ausgerechnet dieser fragwürdige Gewerkschaftsvertreter sprach sich kürzlich gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns aus. Die Tarifautonomie würde dadurch bedroht. Dies behauptet er unisono mit CDU und Arbeitgeberverbandschefs trotz des Wissens, dass es in fast allen Ländern der EU gesetzliche Mindestlöhne gibt und dies dort problemlos funktioniert.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erzählt uns: "Dieses Deutschland ist reich, aber nicht sehr gerecht". Womit wir erfahren, dass Deutschland gerecht sei, nur eben nicht "sehr gerecht". Zugleich wird sprachlich verschleiert, dass das real existierende zigmillionenfache Unrecht ganz konkret von Konzernbossen und (korrupten) Politikern verursacht wurde und wird.

Weiter spricht Thierse von einer "beträchtlichen Minderheit", der es nicht gut geht. Wie schön wäre es gewesen, wenn er von einer beträchtlichen Mehrheit im Lande gesprochen hätte, auf deren Kosten sich eine kleine Minderheit der Deutschen bereichert. Diese Offenheit geht dem Parlamentarier dann wohl doch zu weit.

Auch die christlichen Kirchen melden sich zu Worte: Sie ermutigen zu mehr Offenheit und Optimismus. Wessen Offenheit sie meinen, bleibt dabei im Verborgenen. Und: Die Schere zwischen Arm und Reich dürfe sich nicht weiter öffnen. Muss die Forderung nicht anders lauten? Muss nicht das Schließen besagter Schere gefordert werden - und zwar massiv, unverzüglich und nachhaltig?

Dass die wahlkämpfende hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti eine "neue Gerechtigkeitsdebatte" vorantreiben will, fügt sich nahtlos in die vollmundigen Neujahrsprüche ein. Sie sagt gewiss zurecht, das was inzwischen jede/r weiß, dass die Verteilung der Einkommen nicht stimme. Kein Wort ist darüber zu hören, wann und wie dies zu ändern sei. Aber dann müsste sie vielleicht auch einmal die Systemfrage stellen...

Was sagt uns NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zum neuen Jahr? Er fordert eine Reform von Hartz IV. Sein vorgebliches Ziel: Die Menschen müssten nur besser verstehen, welche Hilfe wem zusteht. Vom Kern dieses unseligen Gesetzes zeigt er sich weiter überzeugt. Das heißt: Die Menschen sind (wieder einmal) nur zu blöd zu verstehen. Rhetorische Sozialpolitik à la Rüttgers, wie wir ihn kennen.

Nicht zuletzt meldete sich auch Papst Benedikt zu Wort: Er hebt die traditionelle Rolle der auf Ehe zwischen Mann und Frau gegründete Familie für den Frieden hervor. Auch dem katholischen Kirchenoberhaupt sollte bekannt sein, dass die Bedrohung des inneren wie des äußeren Friedens seit vielen Jahren von Finanzadel und Politik ausgeht. Diese werden die - von den Ursachen ablenkenden - Worte gerne vernommen haben, können sie doch damit Hoffnung schöpfen, ihr marktradikales Spiel auf dem Rücken des Großteils der Bevölkerung weiter zu treiben.

Wie lange eigentlich noch?


(Zuletzt geändert am Donnerstag, 3. Januar 2008.)