| Klerus, Knete, Karneval – Fürstin Gloria gibt sich die Ehre |
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Donnerstag, 27. Dezember 2007 - Von Harald Siepmann (4056 mal gelesen)
Gloria von Thurn und Taxis an der Seite ihres Mannes, Johannes Prinz von Thurn und Taxis im Jahr 1981, Wikimedia commons Nicht nur, dass sie am 19.1. im Eurogress den Orden wider den tierischen Ernst erhält, nein, sie wird auch einem katholischen Gottesdienst im tridentinischen Ritus in Herzogenrath zwei Tage zuvor beiwohnen und im Anschluss daran als Gast an einer Diskussionsrunde teilnehmen.
Der örtliche Pfarrer Dr. Guido Rodheudt freut sich laut Super-Mittwoch
vom 19.12.07 jedenfalls schon wie ein Schneekönig, gibt er doch an,
dass Fürstin Gloria „Zeugnis gibt für den katholischen Glauben“.
Besagter
Geistlicher erlangte bereits NRW-weite Bekanntschaft, als der WDR
Gott sei Dank hat er in Papst Benedikt XVI aber einen Bruder im Geiste, der
eine der Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils, nämlich die
Abschaffung der Messe in lateinischer Sprache, jüngst durchlöcherte. Diese
Gelegenheit ließ sich Pfarrer Rodheudt nicht nehmen und bot nun in der
Adventszeit regelmäßig Gottesdienste auf Latein an und sorgte zudem dafür, dass
die Hostien bei der Kommunion nicht von Partikeln verunreinigt werden, indem er
sie den Gläubigen direkt in den Mund legt. Dies bezeuge auch „größere
Ehrfurcht", von der schrecklichen Gefahr unreiner Hände in der Gemeinde ganz abgesehen. In der Diozöse Herzogenrath
scheint die Gegenreformation ohnehin auf dem Vormarsch zu sein. Von drei neuen
Pfarrern im Stadtteil Kohlscheid bekennt sich mindestens einer Opus Dei
Diese
wurde 1928 von dem spanischen Priester Josemaría Escrivá begründet. Berühmtheit
erlangte diese Laienorganisation, der aber auch Priester angehören zum einen
durch die strengen Bußregeln, welche sie ihren Mitgliedern, die auch Frauen umfasst, auferlegt, zum anderen durch
die führende Rolle von Opus-Angehörigen in den Regierungen der späten Franco-Zeit
in Spanien sowie in Chile während des Pinochet-Regimes. Spätestens seit rechte
Diktaturen aus der Mode gekommen sind, bemüht man sich heutzutage um ein
moderateres Bild, umgibt sich aber immer noch mit viel Geheimniskrämerei, wie
man es bei der Auseinandersetzung Aber kommen wir zurück zur Fürstin, die laut Süddeutscher Zeitung eigentlich eine Prinzessin ist. War sie in den achtziger Jahren als Ulknudel des deutschen Adels bekannt, ist sie mittlerweile zur knallharten und exponierten Vertreterin des Katholizismus sowie zur gewieften Managerin und Verwalterin der Hinterlassenschaften ihres 1990 verstorbenen Mannes geworden. Thurn und Taxis
Dem
milliardenschweren Familienvermögen der Thurn und Taxis, eines
jahrhundertealten Adelsgeschlecht aus dem Oberpfälzischen, wird nachgesagt
Der
Reichtum kommt allerdings in erster Linie Glorias einzigem Sohn - neben zwei
Töchtern - zugute, nämlich dem 23-jährigen Albert, der es geschafft hat, als
jüngster deutscher Milliardär
Auch
wenn die Fürstin - Verzeihung Prinzessin - nicht mehr so oft in der
Öffentlichkeit stand wie zu den Zeiten, als sie mit Punkfrisur - oder was man
dafür hielt - Aufmerksamkeit erregte, ist sie für medienwirksame Auftritte
immer noch gut, so z.B. im Frühjahr 2001, als sie in der Sendung „Friedman"
eine simple Erklärung für die große Verbreitung von Aids in Afrika gab. Das sei
dort so ausgeprägt, „weil der Schwarze gerne schnackselt Illustre Gesellschaft AKV Bei der Ordensverleihung des AKV dürfte sich die Prinzessin auf jeden Fall sehr wohl fühlen, kamen ihre drei direkten Vorgänger aus dem Business (Air Berlin-Chef Joachim Hunold), der konservativen Politik (CDU-Finanzexperte und Noch-MdB Friedrich Merz) und dem katholischen Klerus (Kardinal Lehmann), also aus drei Milieus, wo sich Gloria bestens auskennt. Die auf den Sitzungen gewöhnlich gepflegten Feindbilder (Linke, Gewerkschaften, Emanzen etc.) dürften auch bei Bayerns Top-Adliger auf große Zustimmung stoßen, so dass unliebsame Überraschungen ausgeschlossen sind, es sei denn Fürstin (oder doch Prinzessin?) Gloria würde es tatsächlich schaffen, die Sitzung nicht so langweilig wie die letzte werden zu lassen, welche sogar die ARD zumindest kurzzeitig dazu bewegte, die Übertragung aus dem Programm kippen zu wollen. (Sie zeigt die Sitzung trotzdem einen Tag später zur besten Sendezeit - Soviel zum Thema Gebührenverschwendung). Wahrscheinlich dürfte es der dekorierten Blaublütigen mit „Charme, Mutterwitz und einem fantastisches Lachen", so AKV-Präsident Wollgarten, aber immerhin gelingen, den Preisträger vor zwei Jahren, Friedrich Merz, den jungen Wilden aus dem Sauerland, der seine Rede abkupfern ließ, an Originalität zu übertreffen. Adel des Christentums Ernsthafter dürfte es auf jeden Fall zwei Tage vor der Promi-Sitzung beim Montagsgespräch in Herzogenrath unter dem Titel „Der Adel des Christentums" (wie passend!) mit der Prinzessin und dem schon erwähnten Pfarrer Dr. Rodheudt zugehen. Hier haben sich allem Anschein nach zwei gesucht und gefunden. Der Herzogenrather Geistliche ist wie oben schon gesehen voll des Lobes über seine Partnerin. Als Präfektin der durch sie wiederbelebten Marianischen Frauencongregation „Mariä Verkündigung" in Regensburg bringt Gloria auf jeden Fall auch den richtigen Background mit. Vor allem ein extrem konservatives Frauenbild (eine Kostprobe von Thurn und Taxis:
und die Verehrung Das Nadelöhr-Gleichnis aus Matthäus 19, 24, wonach eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt, wird hingegen kaum zur Diskussion stehen. Ob auch die Gesprächsrunde in Latein wie die Messe am selben Abend gehalten wird, ist noch unbekannt. Zu deren Anlass wird aber sicherlich ein Gloria in Excelsis Deo angestimmt werden.
Autor Harald Siepmann schreibt regelmäßig unter www.dervolkswirt.de (Zuletzt geändert am Donnerstag, 3. Januar 2008.) |
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