Sonntag, 9. Dezember 2007 - Von z-ac (2630 mal gelesen)
 Überwältigender Sieg der BI vor einem Jahr Zum ersten Jahrestag des ersten erfolgreichen Bürgerentscheides in
der Stadt Aachen am Montag, den 10.12.2007, wendet sich die
Bürgerinitiative „Bankhaus Europa? - Nein Danke!" mit einem Offenen
Brief an die Ratsmitglieder der Stadt Aachen.
In Erinnerung an das
„überwältigende Abstimmungsergebnis" spricht sie vom „kurzen Tag des
Bürgerwillens und der Arroganz des Stadtrates".
„Sage und schreibe 56.532 Aachen Bürgerinnen und Bürger hatten am
10.12.2006 für den Verzicht auf dieses zentrale Ausstallungs- und
Veranstaltungsgebäude gestimmt“, heißt es in dem Schreiben. Dies seien
deutlich mehr Stimmen gewesen, als die derzeit regierende Koalition im
Rat der Stadt Aachen bei der Kommunalwahl 2004 hinter sich habe
vereinen können.
„Damit“, so die
Bürgerinitiative, „hatten rund 80 Prozent der Aachener Bürgerinnen und
Bürger, die sich an dem Bürgerentscheid beteiligten, Ihnen allen und
der Verwaltung einen klaren Auftrag erteilt, nämlich auf das geplante
Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude am Katschhof zu verzichten und
das vorhandene Verwaltungsgebäude nach dem veranschlagten Kostenvolumen
von 2,1 bis 2,5 Millionen Euro zu sanieren.“
Noch
am Tag des Bürgerentscheids sei dem Bürgervotum und dem
Abstimmungsergebnis Respekt gezollt worden, erinnern Dr. Michael Schiek
und Wolfgang Weißhuhn im Namen der Bürgerinitiative.
Dabei erinnern sie an die unmittelbar nach dem Bürgerentscheid
in den Medien verbreitete Meldung, wonach die erste Amtshandlung des
Oberbürgermeisters am Montagmorgen darin bestanden habe, die Sanierung
des maroden Verwaltungsgebäudes am Katschhof „in Auftrag zu geben“.
Dies zeige, so Schiek und Weißhuhn, dass „Sie den Auftrag und Willen
der Aachener Bürgerinnen und Bürger verstanden hatten“.
Doch
wer geglaubt habe, alles werde nun seinen geregelten Gang gehen, sei
leider eines Besseren belehrt worden. Worin die besagte „erste
Amtshandlung des OB am Montagmorgen“ des 11. Dezember 2006 tatsächlich
bestanden habe, meint die Bürgerinitiative, werde wohl für immer ein
Geheimnis bleiben. Die weitere Entwicklung habe jedenfalls gelehrt,
dass diese Verlautbarungen die Bürgerinnen und Bürger wohl lediglich in
die Irre führen sollten.
Denn nur wenige Monate später habe die Mehrheit aus SPD, CDU,
FDP und Grünen im Rat der Stadt Aachen mit den Planungen für die „Route
Charlemagne“ und der dabei vorgesehenen Einbeziehung und Umwandlung des
Verwaltungsgebäudes am Katschhof als zentrales Ausstellungsgebäude und
Anlaufstelle für Touristen und Besucher „die Katze aus dem Sack
gelassen“.
Dass
das Verwaltungsgebäude nun doch nicht entsprechend des
Bürgerentscheides als Verwaltungsgebäude saniert, sondern entgegen dem
Willen der Aachener Bürgerinnen und Bürger in ein Ausstellungs- und
Museumsgebäude umgebaut und umfunktioniert werden soll, heißt aus Sicht
der Bürgerinitiative, „dass der Rat wieder macht, was er will“. Und
dies, so Schiek und Weißhuhn, „obwohl die reinen Umbaukosten mit 10 bis
13 Millionen Euro veranschlagt werden, ohne laufende Betriebskosten“,
die den städtischen Haushalt auch im Millionenbereich belasten dürften.
Eben einem solchen Kostenaufwand hätten die Bürgerinnen und Bürger vor
einem Jahr eine klare Absage erteilt.
„Sie wollen den kurzen Sonntag der direkten Demokratie in
Aachen offenbar als unerwünschte versuchte Einflussnahme der
Bevölkerung auf den Rat der Stadt Aachen stillschweigend zu den Akten
legen“, heißt es im Schreiben der Bürgerinitiative.
Aus Sicht der Bürgerinitiative ist die jetzige Beschlusslage
rechtswidrig. Sie verweist dabei auf §26 der Gemeindeordnung, wonach
der Bürgerentscheid die Wirkung eines Ratsbeschlusses habe, der vor
Ablauf von zwei Jahren lediglich durch einen neuen Bürgerentscheid
abgeändert werden können.
Sollte der Rat weiterhin an seinen Planungen festhalten,
fordert die Bürgerinitiative „alsbald einen Ratsbürgerentscheid
durchzuführen“. „Wir dürfen Ihnen versichern“, erklärt die Initiative,
„dass wir nicht tatenlos zusehen werden, wie Sie als
‚Interessenvertreter’ der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt deren
Willen selbstherrlich und arrogant ignorieren.“
OFFENER BRIEF
an die Fraktionen im Rat der Stadt Aachen
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Bürgerinitiative „Bauhaus Europa? – Nein danke!“ wenden uns
heute an Sie aus Anlass des ersten Jahrestages des erfolgreichen
Bürgerentscheids für den Verzicht auf das ‚Bauhaus Europa’ genannte
Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude am Katschhof.
Sage und schreibe 56.532 Aachener Bürgerinnen und Bürger hatten
am 10.12.2006 für den Verzicht auf dieses zentrale Ausstellungs- und
Veranstaltungsgebäude gestimmt. Dies waren deutlich mehr Stimmen als
die derzeit regierende Koalition im Rat der Stadt Aachen bei der
Kommunalwahl 2004 hinter sich vereinen konnte. Uns alle, sowohl die
Stadtratsabgeordneten aller Fraktionen als auch die Unterstützer der
verschiedenen Initiativen für und gegen das Projekt ‚Bauhaus Europa’
dürfte bis heute zumindest eines einen: die Überraschung über diese
überwältigende Deutlichkeit des Votums, mit der die Aachener
Bürgerinnen und Bürger vor einem Jahr dem geplanten Prestigeobjekt am
Katschhof eine Absage erteilt haben.
Damit hatten rund 80 Prozent der Aachener Bürgerinnen und
Bürger, die sich an dem Bürgerentscheid beteiligten, Ihnen allen und
der Verwaltung einen klaren Auftrag erteilt, nämlich auf das geplante
Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude am Katschhof zu verzichten und
das vorhandene Verwaltungsgebäude nach dem veranschlagten Kostenvolumen
von 2,1 bis 2,5 Millionen Euro zu sanieren.
Noch am Tag des Bürgerentscheides wurde dem Bürgervotum und Abstimmungsergebnis Respekt gezollt.
Zum Teil klang dieser Respekt etwas gequält: „Das ist ein
deutliches Ergebnis, das wir im hohen Maße respektieren müssen“, so
Oberbürgermeister Dr. J. Linden, zitiert nach WDR am 10.12.2006.
Folgerichtig wurde also die Sanierung des Verwaltungsgebäudes am
Katschhof in Auftrag gegeben. Am Dienstag den 12.12.2006 meldeten die
Aachener Nachrichten: „Erste Amtshandlung des OB am Montagmorgen,
wenige Stunden nach dem für ihn äußerst betrüblichen Bürgerentscheid:
Er gab die dringend nötige Sanierung des maroden Verwaltungsgebäudes am
Katschhof in Auftrag. Kostenpunkt: 2,1 bis 2,5 Millionen Euro ...“
Dies zeigt, dass Sie den Auftrag und Willen der Aachener
Bürgerinnen und Bürger verstanden hatten. Doch wer glaubte, alles werde
nun seinen geregelten Gang gehen, wurde leider eines Besseres belehrt.
Worin die besagte „erste Amtshandlung des OB am Montagmorgen“,
11.12.2006, tatsächlich bestand, wird wohl für immer ein Geheimnis
bleiben. Die weitere Entwicklung hat gelehrt, dass diese
Verlautbarungen lediglich die Bürgerinnen und Bürger in die Irre führen
sollten.
Gut zwei Monate später, Mitte Februar 2007, präsentierte die
Stadt Aachen ihren Bürgern zunächst einmal die Rechnung für das
Abenteuer ‚Bauhaus Europa’: 543.592.29 Euro habe die Bürger diese
Unternehmung gekostet. Wobei anzumerken ist, dass deutlich mehr als die
Hälfte hätte eingespart werden können, wenn die Bürger nur rechtzeitig
gefragt worden wären. Der Bürgerentscheid als solches kostete nämlich
nur 220.000 Euro. Ob darin die knapp 5.000 Euro für
den Werbebrief für das Bauhaus des Oberbürgermeisters an die Aachener
Bürger am Tag vor dem Bürgerentscheid enthalten sind, wissen wir nicht.
Wir können aber versichern, dass wir unsere Auslagen privat finanziert
hatten.
Und schon im März 2007 konnten sich die Aachener Bürgerinnen
und Bürger dann nur noch verwundert die Augen reiben. Die durch den
Bürgerentscheid angeblich verlorenen Fördermittel der EUregionale 2008
waren wieder zum Greifen nahe, das abgelehnte Projekt ‚Bauhaus Europa’
hieß nun ‚Route Charlemagne’, das angeblich marode Verwaltungsgebäude
am Katschhof wurde als Zentrum dieses Parcours gehandelt:
„Zusammenfassende Darstellungen, Archivalien, Fundstücke,
Ausstellungen, Vorträge und Veranstaltungen sollen das «neue» Haus …
mit Leben füllen“ zitiert die Aachener Zeitung am 19. März 2007 mit
Prof. Curdes einen früheren Befürworter des Projektes ‚Bauhaus Europa’.
Diese Anregung griffen Sie dankbar auf und ließen in der
Hauptausschusssitzung des Stadtrates im Juni sowie spätestens auf der
Ratssitzung im September 2007 die Katze bzw. das „Bauhaus Europa 2“
endgültig aus dem Sack. Die Mehrheit aus SPD, CDU, FDP und Grüne im Rat
der Stadt Aachen fasste konkrete Beschlüsse für die Verwirklichung des
‚Route Charlemagne’ genannten Projektes ‚Bauhaus Europa 2’ mit dem
Verwaltungsgebäude am Katschhof als zentrales Ausstellungsgebäude und
Anlaufstelle für Touristen, Besucher sowie der Aachener Bürgerinnen und
Bürger.
Dafür soll das Verwaltungsgebäude am Katschhof massiv umgebaut
und in ein Ausstellungs- und Museumsgebäude umfunktioniert werden,
wobei die reinen Umbaukosten mit 10 bis 13 Millionen Euro veranschlagt
werden, ohne laufende Betriebskosten, die den städtischen Haushalt auch
im Millionenbereich belasten dürften.
Der Kostenplan für das Gesamtprojekt „Route Charlemagne“
beläuft sich nicht mehr „nur“ auf rund 30 Millionen Euro, wie beim
Projekt ‚Bauhaus Europa 1’, sondern auf rund 35 Millionen Euro, auch
wenn dafür, wie beim ‚Bauhaus Europa 1’, mehr als 20 Millionen als
Fördermittel aus der EUregionale 2008 erwartet werden.
Unser Fazit: Am Tag des Bürgerentscheides zollte der Rat der
Stadt Aachen dem Abstimmungsergebnis noch Respekt – ein Jahr danach
macht der Rat wieder, was er will.
Ganz offensichtlich spielt dieser nach einem Jahr für Ihre
Entscheidung keine Rolle mehr. Sie wollen den kurzen Sonntag der
direkten Demokratie in Aachen offenbar als unerwünschte versuchte
Einflussnahme der Bevölkerung auf den Rat der Stadt Aachen
stillschweigend zu den Akten legen.
Mit Nachdruck möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass wir
Ihre jetzige Beschlusslage für rechtswidrig halten. Denn nach §26 der
Gemeindeordnung hat der Bürgerentscheid die Wirkung eines
Ratsbeschlusses. Und vor Ablauf von zwei Jahren kann er nur auf
Initiative des Rates durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert
werden.
Im Gegensatz zur Situation im letzten Jahr können Sie sich
heute nicht mehr damit herausreden, die Meinung der Aachener Bürger und
Bürgerinnen nicht zu kennen, 56.532 Stimmen stehen weiterhin gegen Ihr
Prestigeobjekt. Sollten Sie dennoch weiterhin an der „Route
Charlemagne“ festhalten wollen, also u.a. das Verwaltungsgebäude am
Katschhof umzubauen und in ein Veranstaltungs- und Museumsgebäude
umzufunktionen, dann fordern wir, die Bürgerinitiative „Bauhaus Europa?
– Nein danke!“, Sie hiermit auf, bevor Sie weitere Fakten schaffen, zu
diesen Planungen alsbald einen Ratsbürgerentscheid durchzuführen!
Wir dürfen Ihnen versichern, dass wir nicht tatenlos zusehen
werden, wie Sie als „Interessenvertreter“ der Bürgerinnen und Bürger
dieser Stadt deren Willen selbstherrlich und arrogant ignorieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Schiek und Wolfgang Weißhuhn
für die Bürgerinitiative Bauhaus Europa? – Nein Danke!
(Zuletzt geändert am Mittwoch, 19. Dezember 2007.) |