Mittwoch, 28. November 2007 - Von Andrej Hunko (2956 mal gelesen)
Aachen. Rund 350 Teilnehmer Besucher fanden sich am Dienstagabend
in der Aula Carolina ein, um Eugen Drewermann zum Thema "Warum Krieg"
zuzuhören.
Organisiert hatte die Veranstaltung die Aachener
attac-Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Aachener Friedenspreis und dem
Anti-Kriegs-Bündnis.
[update]
Der Paderborner Theologe, dem aufgrund
seiner radikalen Ansichten sowohl Predigt- als auch Lehrerlaubnis
entzogen wurden, spannte in seiner knapp 2-stündigen predigtartigen
Rede den Bogen vom biblischen Kain-Abel-Gleichnis bishin zu den
aktuellen Kriegsdrohungen, der Verarmung durch Hartz IV, den Lokführern
und dem Klimawandel.
Drewermanns eindringliche Sprache faszinierte sichtbar ein Publikum,
das in der Regel für ähnliche Themen wenig ansprechbar ist. Am
etablierten Parteien- und Mediensystem ließ der 67-Jährige kein gutes
Haar - so provozierte er den demonstrativen Abgang einiger
Grünen-Anhänger, als er auf den Jugoslawienkrieg zu sprechen kam -;
lediglich DIE LINKE und Gruppen wie attac kamen aufgrund ihrer
Antikriegshaltung gut weg.
Dem kaptitalistischen System, dessen
Wirkungsweise und Folgeschäden Eugen Drewermann an zahlreichen
eindrücklichen Beispielen demonstrierte, prognostizierte er ein
baldiges Ende.
Entscheidend sei aber, dass jede und jeder Einzelne gemäß der eigenen Überzeugung handele und sich entsprechend vernetze.
[update 2.12.]
Eugen Drewermann – zu Gast bei Freunden
Von Ullrich Mies, Annette van Gessel, Christine von Klageneck
Am
Dienstag, dem 27. November, hielt Eugen Drewermann, der streitbare
Theologe, Philosoph, Psychoanalytiker und Schriftsteller aus Paderborn
in der voll besetzten Aula Carolina in Aachen eine fulminante Rede zum
Thema „Warum Krieg?“
Mehr als 300 Menschen zog der hoch
konzentrierte Redner in seinen Bann. Zum Vortrag eingeladen hatten
attac-Aachen, der Aachener Friedenspreis und das Aachener
Anti-Kriegsbündnis. Drewermann leitete seine Rede ein mit den Worten:
Es gibt kein wichtigeres Thema. Denn so lange der Krieg offen
gehalten wird als eine Option des politischen Handelns, so lange lagert
er wie ein Krake an den Rändern der Kultur und saugt die besten
Energien der Humanität in das genaue Gegenteil ab.
Drewermann machte den Zuhörern deutlich, wie sehr sich unsere
Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Die
Brutalität sei zurückgekehrt in die Menschheit, nur der Stärkere
überlebe. Bereits Dreijährige lernten im Kindergarten, dass sie
erfolgsorientiert und tüchtig sein müssen - für den Industriestandort
Deutschland. „Der Darwinismus - als Sozialliberalismus getarnt -
bestimmt unsere Gesellschaft“, so Drewermann. „Und Konkurrenz ist nicht
nur nötig für die Art der Marktwirtschaft, die wir haben, sie ist der
dynamische Triebsatz für die kulturelle, wirtschaftliche, politische -
überhaupt für die Entwicklung.“
Die
Menschheit mit Appellen an die Moral zu friedfertigem Handeln zu
veranlassen, sei zum Scheitern verurteilt. Moral presse lediglich die
Aggressivität zurück.
So lange die Menschen ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen immer mit
denen der anderen vergleichen und überlegen, ob sie besser, schneller,
klüger oder fitter sind, so lange treibt sie stets die Angst vorwärts,
in diesem Vergleich schlechter abzuschneiden. Angst getrieben werden
sie egoistisch und narzistisch. „Wir beurteilen die Welt nach dem
Brett, das wir selbst vor dem Kopf haben“, so Drewermann. Stattdessen
müssten die Menschen den Wert in sich selbst finden und außerdem die
Würde des Anderen wahren und ihn nicht demütigen.
Der Iran ist ein Schurkenstaat und die Ajatollahs passen uns
überhaupt nicht. Islamisten und Fundamentalisten gehören nicht zur
‚zivilisierten‘ Welt. Grund genug, ein Volk mit Hunger zu quälen und
mit Krieg zu bedrohen. Wie können wir mit denen reden, die wir schon im
Vorfeld verachten und diffamieren, die wir nicht als unseres Gleichen
betrachten?
fragte Drewermann.
Wie ist es möglich, dass aus ganz normalen Menschen Kriegsmaschinen und -geräte werden?
Unter dem Diktat der Gruppe werde der Einzelne vergewaltigt: Befehl
ist Befehl. Damit seien wir auch bei der Verantwortung des Einzelnen
und der Indienstname des Bürgers und seiner Umschmelzung zum Soldaten.
Der Krieg spalte den Einzelnen: Einerseits sei er braver Familienvater,
andererseits töte er im Krieg auf Befehl.
Außerdem habe die moderne Art der Kriegsführung bewirkt, dass der
Soldat die Folgen seines Handelns nicht mehr direkt erlebt. Er töte auf
Distanz. Er drückt auf eine Taste, um die Klappen für die Bomben zu
öffnen, oder er programmiert eine Tomahawk (Cruise-missile), die
hunderte Kilometer entfernt detoniert. Drewermann brachte dazu
Beispiele aus Vietnam, dem ersten und dem aktuellen Irakkrieg.
Auch neue Erkenntnisse der Hirnforschung hätten Einzug
gehalten im Umgang mit feindlichen Gefangenen. Weil der Entzug aller
äußeren Reize den Menschen verwirrt und ihn letztendlich seiner
Identität beraubt, stülpten die Folterer den Gefangenen in Guantanamo
Kapuzen über und sperrten sie in dunkle Zellen, damit sie jegliches
Zeitgefühl verlieren. Selbst ernannte Experten definieren neuerdings
die Folter um: Water-boarding sei angeblich keine Foltermethode.
Water-boarding heißt das wiederholte Untertauchen eines Opfers unter
Wasser, bis dieses unter Todesangst alles gesteht, was seine Folterer
hören möchten.
Der Krieg sei kein individuelles, sondern ein Gruppenphänomen. So
bekämpften sich unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, wenn
fremde Artgenossen in ihr Territorium eindringen. Die Menschen neigten
dazu, die eigene Gruppe stets positiver zu sehen als andere. Dies nutze
die Kriegspropaganda aus, um im Extremfall den Feind unter das Niveau
von Tieren zu stellen. Als Beispiel nannte Drewermann die Bezeichnung:
Die Achse des Bösen. Syrien, Afghanistan, Irak und Iran werden von den
Amerikanern bedroht und mit falscher Propaganda belegt.
Wir dürfen nicht darauf hereinfallen und ihnen glauben
so
Drewermann. Das Verächtlichmachen der anderen sei kein neues Phänomen.
Eingeborene, „Wilde“ und Indianer seien in den Eroberungszügen
vergangener Jahrhunderte ebenfalls als Untermenschen behandelt und
vernichtet worden.
Niemand hat das Recht, seine Sache über die des anderen zu setzen.
Niemand kann den anderen die Rechte absprechen, die er für sich selbst
in Anspruch nimmt
sagte Drewermann.
Gut und Böse, Recht und Unrecht sind universell und können nicht von einer Religion oder Ideologie gepachtet werden.
Niemand habe das Recht, sich die Welt einzuverleiben. Die Welt
gehöre allen, bezog Drewermann Stellung zur Globalisierung. Wenn
Rechtsnormen internationale Gültigkeit haben sollen, dann müsste ein
internationaler Gerichtshof der UNO über Streitigkeiten entscheiden.
Die jetzige Situation sei unerträglich: Die derzeitig einzige
Weltmacht, die USA, schwächten die UNO, wo sie nur können. Sie lehnen
alle wichtigen Resolutionen ab, seien es Umweltabkommen, das
Kioto-Abkommen, die Abkommen zu Landminen und Atombomben. Darüber
hinaus sind sie mit ihren Zahlungen an die UNO permanent im Rückstand.
Unter allen Bedingungen wollen sie die einzige Weltmacht bleiben.
Hierzu benötigen sie den nicht endenden Antiterrorkrieg. Denn die
Terrorbekämpfung kennt weder einen eindeutigen Kriegsgegner noch ein
klares Ziel. Sie ist Methode und wird dadurch selbst zum Terror.
"Wir brauchen keine Waffen!“, forderte Drewermann. Seit sich die
europäischen Staaten und die Staaten Nordamerikas in einem Staatenbund
zusammengeschlossen haben, führen sie nicht mehr gegeneinander Krieg.
So wie jeder Einzelne vom Staat entwaffnet wird, müssten auch die
Einzelstaaten entwaffnet werden.
Drewermann bezeichnete die Rüstungsindustrie als Vampir. So gäben
die Amerikaner jährlich 400 Mrd. Dollar für Rüstung aus. Für ein
Fünfzigstel der Militärausgaben, das heißt 20 Mrd. Dollar, könnte man
alle Slums der Welt auflösen. Auch das Welttrinkwasserproblem ließe
sich mit einem Bruchteil dieser Aufwendungen lösen.
Und wie steht es um die Moral der Politiker? Immanuel Kant drückte
das so aus: Handle so, dass dein Handeln jederzeit veröffentlichbar ist
formulierte Drewermann.
Die heutigen Politiken sagen uns jedoch nicht die Wahrheit,
sondern führen uns hinters Licht. Sie reden uns ein, wir müssten
beschützt werden und noch zu viele glauben, die Volksvertreter
handelten verantwortungsbewusst.
Nach Auffassung Drewermanns werden wir von neuen Feudalherren
regiert, von Unternehmern und dem Finanzkapital. Diese verdienen immer,
am Krieg, an der Rüstung und am Wiederaufbau. Und so gehe das fort und
fort.
Was ist die Demokratie noch Wert, wenn ein
Präsidentschaftskandidat in den USA 850 Millionen Dollar braucht, um
Präsident werden zu können
fragte Drewermann. Vor allen Dingen sei es wichtig zu wissen, wer
das Geld dazu bereitstellt. Neben vielen anderen seien es vor allem die
Rüstungsindustrie, die Erdöllobby und die Atomlobby. Im Gegenzug für
ihre finanzielle Unterstützung biete diese Lobby dem gewählten
Präsidenten Schutz während seiner Amtszeit.
Und so müssen wir immer wieder fragen: Wem gehört eigentlich die Welt?
Im Kapitalismus geht es allein um Profitmaximierung um jeden Preis
so Drewermann.
Das ist sein Credo. Ein solches System begünstigt nicht nur den
Krieg, es ist selbst Krieg. Krieg gegen die Natur, die uns umgibt,
gegen die Dritte Welt, die es ruiniert, gegen zwei Drittel der
Menschheit, die es beherrscht.
Nicht einmal die Raubritter und Eroberer hätten die Welt damals so
ausgebeutet, wie die Großkonzerne heute. Die ganze Welt werde
verhökert, die ganze Welt stehe zum Ausverkauf. Ganz egal, ob es ein
Flussarm sei, der Amazonas, was auch immer. Die Welt gehöre demjenigen,
der am Meisten bietet, und das Militär sichere die neuen Feudalherren
ab.
Und hier in Deutschland
fragte Drewermann
10 Prozent der Bevölkerung besitzen 70 Prozent des Volksvermögens.
In den letzten 30 Jahren haben die neuen Herren das Volksvermögen
umverteilt, und wir sollen glauben, wir lebten im Paradies. Aber genau
dies ist nicht der Fall. Darum ist zum ersten Mal seit dem zweiten
Weltkrieg die Armut auch nach Deutschland zurückgekehrt. 15 Millionen
Menschen in Deutschland leben in Armut, davon 2,5 Millionen Kinder. 7
Millionen Menschen sind pleite. Ihre Arbeitsplätze wurden abgebaut und
nun arbeiten sie, wenn überhaupt, unter schlechten Bedingungen bei
Leihfirmen und in Ein-Euro-Jobs.
Viele Menschen seien wegen Armut vom kulturellen Leben
abgeschnitten. Ein System, das nur auf Wachstum beruhe, sei krank,
vergleichbar mit einer Krebsgeschwulst. Um immer weiter wachsen zu
können, müsse es sich wie ein Krake ausbreiten und alles aussaugen, was
es für sein Wachstum benötigt. Die Konsequenzen seien offensichtlich:
Jeden Tag verschwänden 150 Tier- und Pflanzenarten unwiderruflich von
dieser Erde. Das sei Krieg. Nach der Vorstellung dieses homo sapiens
sapiens soll überhaupt nur das überleben, was der eigenen Spezies
nützt. In spätestens 30 Jahren sei es soweit, dann könne man wilde
Tiere nur noch in Zoos erleben.
Eugen Drewermann endete mit Auszügen eines Gedichts von Wolfgang Borchert:
DANN GIBT ES NUR
EINS!
Du. Mann an der Maschine und
Mann in der Werkstatt.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen - sondern
Stahlhelme und Maschinengewehre,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch
und Mädchen im Büro.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Besitzer der Fabrik.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst statt Puder und Kakao Schießpulver verkaufen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst keine Liebeslieder, du sollst Haßlieder singen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst die Männer kriegstauglich schreiben,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen,
dann gibt es nur eins: Sag NEIN!
Du. Kapitän auf dem Dampfer.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst keinen Weizen mehr fahren - sondern
Kanonen und Panzer,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Schneider auf deinem Brett.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Uniformen zuschneiden,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Richter im Talar.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst zum Kriegsgericht gehen,
dann gibt es nur eins:
Sag Nein!
Du. Mann auf dem Bahnhof.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst das Signal zur Abfahrt geben für den Munitionszug und für den Truppentransporter,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Dorf und Mann
in der Stadt.
Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mutter in der Normandie und
Mutter in der Ukraine,
du, Mutter in Frisko und London,
du, am Hoangho und am Mississippi,
du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo - Mütter in allen Erdteilen,
Mütter in der Welt,
wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären,
Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten,
Mütter in der Welt,
dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN!
Mütter, sagt NEIN!
Denn wenn ihr nicht NEIN sagt,
wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend
verstummen und
wie titanische Mammutkadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten
Kaimauern schwanken,
algen-, tang- und muschelüberwest,
den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend,
mürbe, siech, gestorben - die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose
glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten
der Drähte und Gleise liegen,
hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen
Straßen - eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen,
gefräßig, wachsend,
wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern,
auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig, unaufhaltsam -
der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen,
der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen,
die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren und
die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte Melkschemel in den Himmel
strecken -
in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen Ärzte sauer werden,
verrotten, pilzig verschimmeln -
in den Küchen, Kammern und
Kellern,
in den Kühlhäusern und Speichern werden die letzten Säcke Mehl,
die letzten Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen -
das Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten Tellern wird
grün werden und
die ausgelaufene Butter wird stinken wie Schmierseife,
das Korn auf den Feldern wird neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie
ein erschlagenes Heer und die qualmenden Ziegelschornsteine, die Essen und
die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln
- zerbröckeln - zerbröckeln -
dann wird der letzte Mensch,
mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge,
antwortlos und einsam
unter der giftig glühenden Sonne und
unter wankenden Gestirnen umherirren,
einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der
gigantischen betonklotzigen verödeten Städte,
der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und
seine furchtbare Klage:
WARUM?
wird ungehört in der Steppe verrinnen,
durch die geborstenen Ruinen wehen,
versickern im Schutt der Kirchen,
gegen Hochbunker klatschen,
in Blutlachen fallen,
ungehört,
antwortlos,
letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch -
all dieses wird eintreffen,
morgen,
morgen vielleicht,
vielleicht heute nacht schon,
vielleicht heute nacht, wenn - - wenn - - wenn ihr
nicht
NEIN
sagt.
(Zuletzt geändert am Montag, 3. Dezember 2007.) |