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Alles nur Theater PDF Drucken E-Mail
Montag, 27. August 2007 - Von Darius Dunker (2699 mal gelesen)
Das war wohl nichts: die diesjährige Gala am Theaterfest bestritt das Stadttheater alleine. Wo sonst gemeinsam mit den freien Theatergruppen und weiteren Kulturschaffenden die große Vielfalt - allerdings auch das sehr unterschiedliche Niveau - der Aachener Kulturszene vorgeführt wurde, lieferte das Stadttheater in diesem Jahr alleine ein lustloses Kurzprogramm aus Opernarien und winzigen Ausschnitten der kommenden Theaterspielzeit.
Früher ein bunter Zirkus

Es konnte so nett sein. Das Theaterfest war eine Institution in der Kulturszene der Stadt. Professionelle, Semiprofessionelle, Freie und auch reichlich amateurhafte Theatergruppen luden zu Beginn der neuen Spielzeit die Aachenerinnen und Aachener ein, kleine Ausschnitte aus dem kommenden Programm kennenzulernen. Ein buntes Allerlei war das, und wohl für jeden Geschmack etwas dabei: OpernsängerInnen des Stadttheaters gaben Arien aus den großen Produktionen zum besten, die Kollegen vom Schauspiel und von freien Theatergruppen gaben kurze Szenen aus den kommenden Stücken. Nicht alles war auf hohem Niveau, manche Präsentation blieb hinter den Erwartungen an ein mittelmäßiges Schultheater zurück. Aber alles in allem war es ein buntes Allerlei und ein einzigartiges Fest, vielleicht am passendsten vor zwei Jahren wegen der Theaterrenovierung im Zirkuszelt präsentiert.

Was nach meinem Eindruck fehlte, war vor allem ein Konzept, mit dem man verhindern konnte, was etwa vor zwei Jahren eine Theatergruppe aus studentischem Umfeld geliefert hatte: hunderte FestbesucherInnen damit zu quälen, dass statt eines Theaterstückausschnitts wie in einem einzigen Werbeblock nur dummes Geschwätz darüber zum besten gegeben wurde, wie toll ebenjene Theatergruppe wäre. Hier hätte eine klare Absprache dazu führen müssen, dass eine solche Gruppe eben außen vor bleibt, wenn sie nichts aufführen kann. Allerdings hatte auch so ein Ausrutscher dem Theaterfest als Gesamtkunstwerk wenig anhaben können. Im Gegenteil: die anderen Gruppen hoben sich von so etwas noch einmal für jeden offensichtlich ab.

Die freien Theatergruppen vor die Tür gesetzt

Beim Theater Aachen hat man aber offenbar anders reagiert. Gerüchte kursierten, dass es womöglich gar kein Theaterfest mehr geben solle. Doch dann hat man sich beim Städtischen entschieden, die große Theatergala diesmal lieber alleine zu geben. Am vergangenen Samstag war es so weit. Nach dem Vorprogramm auf dem Theatervorplatz - hier durften die Freien, wenn sie denn noch wollten, ein wenig mitspielen - gab es abends die Gala im großen Saal des Stadttheaters. Hunderte Theaterinteressierte waren auch in diesem Jahr wieder gekommen, das Haus gut gefüllt.

So lustig wie Sabine Christiansen

Doch bereits die Begrüßung zur Eröffnung des Festes, inszeniert als ein Gespräch, bei dem sich Moderator und Moderatorin lustigerweise immer wieder ins Wort fielen (nein, was haben wir gelacht! Fast so lustig wie Sabine Christiansen...), wirkte wie eine kurzfristig ausgedachte Kaschur dafür, dass man diesmal weder richtig Lust noch Ideen zur Präsentation hatte. So wurde dann Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck in einem Pseudointerview zum verbindenen Gedanken der kommenden Spielzeit gefragt. Ganz nett gedacht, aber doch allzu durchsichtig, dass hier so getan wurde, als wäre die Improvisation nur gespielt, während wohl tatsächlich kein Moderationskonzept existierte. Träume seien das verbindende Motiv, das sich durch so viele Produktionen der kommenden Spielzeit ziehe, plauderte der Intendant.

Die darauf folgenden Opernarien und Szenenausschnitte versprühten aber erstmal wenig davon. Sicher, es war solide vorgetragen. Ich will nicht behaupten, mich in der Oper auszukennen, und will deshalb die Leistung der SängerInnen nicht beurteilen. Mir Laie erschien der letzte Auftritt von Eva Bernhard als Höhepunkt der Operndarbietungen an diesem Abend, während mir der Ausschnitt aus der Oper des jugendlichen Mozart, den die ansonsten von mir durchaus geschätzte Iva Danova vortrug, jenes Gefühl von Leere vermittelte, das mich an diesem eigentlich so lauen Abend immer wieder frösteln ließ.

Sehr festlich oder gar nach einem Gesamtkonzept für eine Gala wirkte es nicht, wenn gerade bei den musikalischen Darbietungen ein ums andere Mal einfach ein Sänger oder eine Sängerin neben dem Flügel auf fast leerer Bühne steht und eben eine Arie vorträgt. Und Applaus. Nächster Programmpunkt.

Nicht schlecht, aber zu kurz

Die Ausschnitte aus dem Schauspiel waren nicht wirklich schlecht, aber leider oft so rudimentär, dass man nicht einmal ansatzweise einen Eindruck bekam, wie denn das Stück sein könnte. Da wurde beispielsweise in phantastischer Weise aus Kafkas Verwandlung vorgetragen, wie ich von mehreren BesucherInnen übereinstimmende Kommentare hörte, aber leider eben nur Text vorgetragen. Eine gute Kostprobe für eine Lesung wäre das gewesen, aber für Theater?

Klar, es gab auch im Schauspiel ein paar Darbietungen, die mehr Einblick boten. Julia Brettschneider faszinierte mit ihrem Puppenspiel zu Grillparzers "Der Traum ein Leben", bei dem sie Zanga mit so beeindruckender Gestik, Mimik und Stimme versah, dass die doch eigentlich sichtbar daneben sitzende Puppenspielerin geradezu unsichtbar wurde.

Die kommen ja nur, weil es heute nichts kostet

Wirklich nicht nötig, weil irgendwie dieses Denken auf Seiten des Stadttheaters allzu gegenwärtig schien, wäre es gewesen, nach dem Ausschnitt aus dem Stück die Puppe Zanga noch feststellen zu lassen, dass ja all die Leute nur gekommen seien, weil die Theatergala keinen Eintritt koste. Publikumsbeschimpfung durch die Blume, Puppenmund tut Wahrheit kund. Kein freundlicher Stil gegenüber denen, die sich für das Programm des Theaters interessieren und ja auch schon mit ihren Steuergeldern einiges dafür gezahlt haben.

Fragezeichen bleiben

Wie ein großes Computerspiel war "Der Gott des Gemetzels" dargeboten: nölende Nintendomusik und streckenweise roboterhaft schreitende Personen spielten, was zunächst wie allzuoft dagewesene Familienstreitigkeiten aussieht. Zwei Paare kriegen sich über einen Streit ihrer Kinder in die Haare. Wie langweilig. Doch vor diesem Hintergrund fallen plötzlich Stichworte wie Dafur. Und es klingt die Frage an, wie denn politisches Engagement für Konflikte in fernen Krisenregionen und das Verhalten im europäisch satten Alltag zusammen passen müssen. Das auf den ersten Blick reichlich klamaukige Spiel könnte noch ein großes Stück werden, bei dem einem irgendwann das Lachen im Halse stecken bleibt. Aber bleibt es das? Entwickelt sich das Stück so? Das Theaterfest hat es noch nicht verraten...

Und so ist Ratlosigkeit das Gefühl, das nach diesem Theaterfest übrig bleibt. Es blitzten ein paar Highlights auf, etwa auf den hervorragend dargebotenen Ausschnitt aus dem Faust sei noch hingewiesen, aber das Theaterfest als solches war gewiss kein Höhepunkt des Aachener Kulturprogramms in diesem Jahr, und das lag wohl auch daran, dass die freien Theater, die beispielsweise mit Improvisationstheater auch in Bereichen tätig sind, die es beim Stadttheater nicht gibt, fehlten und mit ihnen das große Gefühl, hier versammele sich gemeinsam die ganze Theaterszene der Stadt. Auf der anschließenden Party kam bei mir keine Stimmung mehr auf.


(Zuletzt geändert am Dienstag, 28. August 2007.)