Freitag, 29. Juni 2007 - Von Andrej Hunko (3031 mal gelesen)
 A. Müller, H. Schnitzler, M. Treude
Unter dem Eindruck steigender Umfragewerte und des
Mitgliederzustroms seit der Gründung der Partei Die Linke sind auch in Aachen
die Fraktionsgespräche der drei linken Ratsherren Andreas Müller, Horst
Schnitzler und Marc Treude wieder aufgenommen worden.
Beobachter zeigen sich zuversichtlich, dass noch vor der
Gründungsversammlung am 16. August die Fraktion Realität werden könnte. Damit
könnte eine lange Auseinandersetzung doch noch zum erfolgreichen Abschluss
gebracht werden.
Langer Prozess
Aachen im Spätsommer 2004: Jeden Montag zogen im Vorfeld der
Kommunalwahl Hunderte Menschen durch die Stadt um gegen die Einführung von
Hartz IV zu protestieren. Mit dabei die vier linken Kandidaten, die sich um
einen Sitz im Stadtrat bemühten: Andreas Müller für die PDS, Horst Schnitzler
für die UWG, Marc Treude für das Bündnis „Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag" und
Georg Georgiadis für die „Internationale Liste". Die ersten drei erhielten die
erforderliche Stimmenanzahl, die Internationale Liste scheiterte knapp.
Einen Tag nach der Kommunalwahl am 26. September 2004 wurde
auf der Montagsdemo unter großem Beifall die Forderung nach einer
Fraktionsbildung erhoben, um die Interessen insbesondere in der Sozialpolitik
wirkungsvoller vertreten zu können: Drei Ratsmitglieder können in Aachen eine
Fraktion bilden, mit entsprechenden Rechten und Mitteln; dies solle sich wieder
zum Nutzen der sozialen und gesellschaftlichen Initiativen auswirken.
BLUES
Unter dem Label „BLUES" (Bündnis Linker und Unabhängiger
Einzelpersonen im Stadtrat) trafen sich fortan monatlich unter reger
Beteiligung der sozialen Bewegungen die drei Ratsmitglieder. Der anfängliche
Schwung erlahmte jedoch bald, als vor allem von PDS-Seite immer neue Gründe
gegen eine linke Fraktion aufgeführt wurden: Es handele sich um eine technische
Fraktion, die angreifbar sei; sogar die tatsächlich skandalöse Fraktion der PDS
mit der neonazistischen NPD, die im Rhein-Sieg-Kreis gebildet worden war,
musste als Gegenargument herhalten.
Auch die erfolgreiche Gründung einer Fraktion im Kölner
Stadtrat, die das gleiche politische Spektrum umfasst (PDS + „Gemeinsam gegen
Sozialraub"), konnte in Aachen keine Impulse setzen.
Parallel bildete sich in Aachen die WASG. Das Wahlbündnis
„Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag" schloss sich der neuen Partei ebenso an, wie
Ratsmitglied Horst Schnitzler. Da WASG und PDS bundesweit die Vereinigung zu
einem neuen „gesellschaftlichen Linksbündnis" beschlossen hatten, stellte sich
die Fraktionsfrage erneut. Wie sollten die Wähler auch nachvollziehen, dass man
zwar eine neue Partei anstrebt, deren Akteure im Stadtrat aber keine gemeinsame
Fraktionsarbeit machen.
Zerwürfnis
Dennoch kamen die Gespräche im Januar 2006 zum Erliegen. Aus
der Zeitung erfuhren die beiden WASG-Ratsmitglieder, dass der damalige
Linkspartei.PDS-Vorstand eine Fraktion vor 2009 ablehnt; vor allem die
unterschiedliche Haltung zum Prestigeprojekt „Bauhaus Europa" wurde geltend
gemacht. Ihr Ratsvertreter Andreas Müller machte sich dafür stark, die WASG
lehnte das „Millionengrab" (Schnitzler) ab. Erst Anfang 2007 verurteilte die
Mitgliederversammlung der Linkspartei das Festhalten Müllers an diesem Projekt.
Mittlerweile hatte die Aachener Bevölkerung das „Bauhaus" per Bürgerentscheid
gekippt.
Seit der Gründung der Partei Die Linke vor wenigen Wochen sind Müller, Schnitzler und Treude nun
Mitglieder derselben Partei. Am 16. August wird die formelle Konstituierung in
Aachen sein. Man darf gespannt sein, ob die drei Ratsmitglieder im Vorfeld ein
Zeichen der Gemeinsamkeit setzen.
(Zuletzt geändert am Dienstag, 10. Juli 2007.) |